Geschichte der Arzneien


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Pillen, Pasten, Pülverchen – tonnenweise schlucken die Deutschen Jahr für Jahr Arzneien gegen alle möglichen Wehwehchen und Zipperlein, aber auch gegen schwerste Krankheiten und Leiden. Die Herstellung von Medikamenten ist längst ein professionelles Geschäft – und ein sehr profitables dazu. Im Jahr 2015 wurden weltweit 954 Milliarden Dollar mit Medikamenten umgesetzt. 1,5 Milliarden Arzneipackungen wandern allein in Deutschland jährlich über die Ladentheke.

 

Arzneizubereitung in der Antike

Die Geschichte der Arzneien ist mit den Ursprüngen der Menschheitsgeschichte eng verknüpft. Die Kenntnis der Wirkung von Arzneien beruht auf Beobachtung, Zufall und Erfahrung. Die älteste, überlieferte Rezeptesammlung stammt von den Sumerern in Mesopotamien um 3000 vor Christus – sie ist heute also rund 5000 Jahre alt.

Die erste Medikamente waren größtenteils Heilkräuter.

In Fachkreisen berühmt ist auch der Ebers-Papyrus, vor 3500 Jahren in Ägypten verfasst, der rund 880 medizinische Rezepte und Heilmittel auflistet. Die alten Ägypter hatten einen hohen Kenntnisstand bei der Verwendung von Arzneien, der auch bei den aufwendigen Mumifizierungen eine wichtige Rolle spielte.

Die ersten Medikamente waren größtenteils Pflanzen und Heilkräuter. Arzneistoffe wurden aber auch aus tierischen und mineralischen Stoffen gewonnen.

Professionelle Arzneizubereitungsstätten – die ersten Apotheken – waren Hospitälern im Nahen Osten angegliedert, etwa im 9. Jahrhundert nach Christus, und zwar in Bagdad, dem heutigen Irak.

In der Antike und im Mittelalter gab es grundsätzlich zwei zentrale Stätten der Arzneimittelzubereitung: die ärztliche Praxis und der Haushalt. Ärztliche Rezepte beruhten meist auf Mitteln, die auch im Haushalt eine wichtige Rolle spielten – etwa Honig, Wein und Milch. So bildete sich neben der gelehrten Medizin auch eine Volksmedizin heraus.

 

Heilkundliche Mönche

Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwand auch das medizinische Wissen, das die großen Ärzte der Antike der Nachwelt hinterlassen hatten. Das mittelalterliche Europa versank im Chaos der Völkerwanderung – Kenntnisse in Lesen und Schreiben besaßen nur noch die Wenigsten. Doch wurden die bedeutenden Texte der antiken Schriftgelehrten im arabischen Raum bewahrt.

 

Mönche übersetzten arabische heilkündliche Werke ins Lateinische.

Es waren lese- und schreibkundige Mönche in Süditalien und Spanien, die Zugang zu den arabischen Quellen erhielten – und sie übersetzten die Werke ins Lateinische zurück. Die Mönche sorgten so für den Erhalt des heilkundlichen Wissens der Antike, dazu kam ihre eigene medizinische Erfahrung, die sie aus ihrer karitativen Fürsorge bezogen.

Wie wichtig die Heilkunde bei den Mönchen war, wird aus dem St. Gallener Klosterplan ersichtlich – eine Blaupause für das ideale Kloster, das sozusagen serienmäßig mit einer Krankenstation und mit einem Heilkräutergarten ausgestattet war.

Arzt und Apotheker

Die heilkundigen Mönche waren gleichzeitig Ärzte und Apotheker. Sie heilten die Kranken mit Substanzen und Heilkräutern, die sie selbst zubereiteten und kultivierten. Im Spätmittelalter kam es dann zur Trennung zwischen den dem heilenden Arzt und dem Apotheker als Hersteller der Heilmittel, der Arzneien.

Verschiedene Entwicklungen waren dabei an der Ausbildung des Apothekerberufs beteiligt. Möglicherweise haben die Mönche irgendwann nicht mehr nur für den eigenen Bedarf ihre Arzneien hergestellt, sondern auch außerhalb des Klosters verkauft.

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Gewürzhändler, die damals besondere Spezereien und wertvolle Ingredienzien zum Verkauf boten, spezialisierten sich nicht nur auf den kulinarischen, sondern auch auf den heilkundlichen Charakter der angebotenen Stoffe.

Vor etwa 750 Jahren begannen sich die Arzneimittelhersteller dann endgültig von den Ärzten zu unterscheiden, als der Friedrich Barbarossa 1241 im “Edikt von Salerno” die beiden heilkundlichen Berufe juristisch von einander unterschied.

Der Stauferkaiser bestimmte, dass der Arzt von nun an nicht mehr an den Arzneimitteln verdienen sollte – und im Gegenzug der Apotheker nicht heilen und Medikamente nur auf ärztliche Verordnung herstellen dürfe.

Handfeste Ausbildung

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Apothekerberuf dann ein reguläres Handwerk. Wer Apotheker werden wollte, musste bei einem Meister in die Lehre gehen und seine Gesellenzeit auf Wanderschaft verbringen. Doch viele Praktiken und Wissen um heilende Pflanzen und Substanzen überlebten durch den Hausgebrauch auch im einfachen Volk.

Neben dem offiziellen Apothekerwesen gab es die fahrenden Händler, die Barbiere und Bader. Ein Kuriosum war der Buckelapotheker, der besonders im Thüringischen Raum beheimatet war. Buckelapotheker waren Händler, die mit ihrer Kiepe auf dem Rücken Heilmittel in Tonkrügen, Glasflaschen und Spanschachteln verpackt von Tür zu Tür feilboten.

 

 

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